MonatsThema: Das Ding mit der Belohnung (1)

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SusanS
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MonatsThema: Das Ding mit der Belohnung (1)

Beitrag von SusanS » Di 3. Mai 2016, 00:07

In diesem Monat geht es um das tolle "Ende" einer erfolgreichen ZOS-Suche: die Belohnung für den Hund! :-)

Belohnung? Click, Futter, fertig!?

In der Datei *ZOS-Trainingsplanung* sind auf der ersten Seite alle Bausteine für eine erfolgreiche Suche dargestellt. Der Belohnungs-Baustein kommt zwar erst ganz am Ende der Suche und Anzeige ins Spiel, hat aber einen sehr großen Einfluss auf euer ZOS-Training - die Motivation des Hundes steht und fällt mit der Belohnung, die er am Ende für seine geleistete Arbeit bekommt.

Wir setzen Belohnungen ein, um das Verhalten des Hundes aufrecht zu erhalten. Ich denke, uns ist allen klar, das unsere Hunde nicht aus reinem Wohlwollen mit uns zusammen arbeiten (und uns eine schnöde Holzklammer anzeigen :mrgreen: ), sondern vordergründig auf ihren eigenen Vorteil aus sind und tolle Belohnungen abstauben möchten. Unsere Belohnungen für den Hund halten das gelernte Verhalten langfristig aufrecht (wenn wir denn langfristig belohnen) und mit gezielt eingesetzten Belohnungen können wir das Verhalten sogar nach und nach verbessern. Andersherum kann natürlich ein Verhalten (in unserem Trainingsfall die Suche und Anzeige unseres ZOS-Gegenstandes) schlechter werden, wenn wir für den Hund unpassende Belohnungen wählen.

Belohnungen bewusst einsetzen

Anfangs konditioniert man seinen Hund auf den Suchgegenstand und arbeitet sich langsam an kleine Trümmerfelder heran. Bis dahin nutzt man meistens die StandardLeckerlis des Hundes und belohnt den Hund möglichst nah am Gegenstand, meist aus der Hand. Das ist auch völlig in Ordnung und ausreichend!
Kommen dann aber weitere Aufgaben wie größere Trümmerfelder, die Fläche oder schwierige Liegelagen hinzu, muss man sich oft mit gezielteren Belohnungen beschäftigen - bei dem einen Hund mehr, beim anderen weniger.

In der Trainingsplanungs-Datei findet ihr auf Seite 5 eine Übersicht, in der ihr für Euch mögliche Belohnungsvarianten notieren könnt und zusätzlich:

- Wie hoch ist die Motivation des Hundes bei der eingesetzten Belohnung?
Reicht Trockenfutter, damit der Hund ein großes Trümmerfeld absucht? Ist für die Fläche eine andere, vielleicht höherwertige Belohnung nötig? Ist bei größerer Ablenkung "mehr Belohnung" nötig?

- Welche Nachteile hat diese Belohnung?
Wird mein Hund hektisch? Kann der Hund aufgrund der Belohnung nicht mehr fokussiert anzeigen? Findet mein Hund andere Dinge spannender als meine Belohnung? --> Die Erwartungshaltung auf eine bestimmte Belohnung kann sich auch nachteilig auf die Suche / Anzeige auswirken.

Nachteile?

Ein Beispiel, was man sehr oft im Training sieht: einen Hund, der den Suchgegenstand überläuft (und zwar richtig absichtlich, obwohl er ihn genau lokalisiert hat) und nach ausreichender Suche (ausreichend für den Hund) doch anzeigt. Das sind ganz oft Hunde, die das Suchen viel viel spannender finden als die Belohnung nach der Anzeige.
Oder aber: einen Hund, der vor lauter Hibbeligkeit auf sein Superfutter nicht mehr ruhig und konzentriert anzeigen kann, weil er es nicht erwarten kann.
Beides kann man mit durchdachten Belohnungen schnell verbessern :-)

Natürlich kommt nun die Frage, warum man überhaupt Belohnungen einsetzt, die vielleicht nachteilig für die Leistung des Hundes sind.
Da wir im Training immer an bestimmten Baustellen bzw. Verhaltensdetails arbeiten (siehe die Bausteine), brauchen wir auch unterschiedliche Belohnungen, mit denen wir die gewünschten Verhaltensweisen des Hundes gezielt belohnen können. In dieser Zeit des Detailtrainings lassen wir andere Details kurzfristig außen vor und konzentrieren uns nur auf unser Trainingsdetail.

Belohnungen: Qualität, Quantität, ...

Was eine Belohnung ist, entscheidet natürlich jeder Hund für sich und das ist ganz individuell. Während die einen schon für ihr ganz normales Trockenfutter alles stehen und liegen lassen, muss man bei manch anderen die Belohnung quasi jede Stunde neu erfinden und sich etwas einfallen lassen. ;-) Und schon deswegen lohnt es sich, mal aufzuschreiben, was sein Hund eigentlich so mag.

Beim ZOS lässt sich aufgrund der schnellen Verfügbarkeit und der schnellen und gezielten Dosierung am besten mit Futterbelohnungen arbeiten.
Da kann man allein von der Auswahl des Futters auch schon unendlich viel variieren. Von Trockenfutter über Jagdwurst und Käsestückchen bis gekochter Leber ...

Spielzeugbelohnungen funktionieren richtig eingesetzt auch gut, der Nachteill wäre für mich hier, das der Hund für eine ganze Weile aus der Trainingssituation raus ist, da man ja schon ein paar Sekunden mit dem Hund spielt.

Und: Eine Belohnung ist grundsätzlich immer das, was der Hund in der aktuellen Situation immer am meisten möchte. So zum Beispiel einem Hundekumpel "Hallo" sagen, buddeln, eine Runde rennen, ... Man schaut also, was mag mein Hund sehr gern und setzt diese Dinge dann als Belohnung ein. Jemand hatte in einem Forenbeitrag geschrieben, das der Hund nach der letzten Suche immer zum Zaun des Hundeplatzes rennen darf, um dort andere Hunde zu beobachten - toll eingesetzte Belohnung :-D
Teilweise funktioniert das Einstzen solcher alternativer Belohnungen sehr gut, esd kommt aber sehr auf die Belohnung und das Trainingshandling an - oft sind die Hunde durch die Trainingsgestaltung einfach gewöhnt, das beim ZOS mit Futterbelohnungen gerabeitet wird und erwarten das dann auch.
Das ist überhaupt nicht schlimm! Man kann auch die Futtergabe ganz ganz unterschiedlich gestalten und so verschiedenste Belohnungs- und Motivationseffekte erzielen. Genau damit wollen wir uns in diesem Monat beschäftigen. :-D

Die Qualität der Belohnungen spielt natürlich eine große Rolle: Leberwurst ist für die meisten Hunde viel attraktiver als Trockenfutter!
Aber auch die Quantität ist sehr wichtig: das Belohnungszentrum im Hundehirn wird viel mehr aktiviert und Glückshormone ausgeschüttet, je länger eine Belohnung dauert. Man spricht von mindestens 7 Sekunden, die eine Belohnung andauern soll, damit sie besser wirkt:
7 Sekunden mit der Hand voller Trockenfutter beschäftigt und geknabbert ist aus Hundesicht viel besser als ein Stück Leberkäse, das mit einem Happs verschlungen ist.

Mit verschiedenem hochwertigen Futter kann ich ganz gezielt den Trainingsstand meines Hundes verbessern:
Angenommen wir sind noch recht weit am Anfang unseres ZOS-Trainings und möchten, das der Hund sich ohne Hilfe des Menschen am Gegenstand ablegt. Versuche mit unserer Hilfe belohnen wir ab sofort nur noch mit "normalen" Leckerchen (z.B. Trockenfutter), nichts besonderes.
Versuche mit einer Mini-Hilfe unsererseits bestätigen wir mit besserem Futter (z.B. Wienerstücken).
Bei Versuchen ganz ohne unsere Hife bekommt der Hund eine ganze Hand voll Superfutter (z.B. Harzer Käse).
So merkt der Hund nach und nach, das es viel bessere Kekse gibt, wenn er sich selber mehr bemüht und anstrengt und nicht auf unsere Hilfen wartet. So schrauben wir unsere Anforderungen allmählich höher und haben einen Hund, der sich wirklich anstrengt und mitarbeitet.
Dieses Beispiel lässt sich auf ganz viele Trainingsziele übertragen.

Und was sich natürlich auch auf die Motivation auswirkt: weiß der Hund vorher, was ihn an Belohnung erwartet oder wird er je nach Trainingsrunde und Leistung überrascht bzw. die Belohnung angepasst. Wie handhabt ihr das bisher? Weiß der Hund immer, was es "zu holen gibt"? Oder zaubert ihr verschiedene Belohnungen hervor, je nachdem wie der Hund gearbeitet hat?



Mini-Aufgabe für Euch:

Notiert Euch doch mal verschiedene Belohnungsvarianten für Euren Hund und Euren Trainingsstand. Welche Futtersorten verwendet ihr und wie verändert sich die Motivation des Hundes? Habt ihr schon mal mit Spielzeug beim ZOS belohnt? Oder andere Belohnungen (Umweltbelohnungen? Soziale Belohnungen?) beim ZOS-Training eingesetzt? Verwendet ihr verschiedene Belohnungen in den verschiedenen Suchdisziplinen?

In den nächsten Tagen stellen wir Euch 10 verschiedene Varianten rund um die Belohnung nach der erfolgreichen Suche vor und zeigen Vor- und Nachteile auf. Diese variieren natürlich von Hund zu Hund. Probiert die verschiedenen Belohnungsmöglichkeiten aus und schaut, was für Euer Training und Eure Hunde gut funktioniert und lasst Euch zu neuen Belohnungsideen inspirieren. :-)
Viel Spaß beim Üben und viele Grüsse.
Susan

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